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Was kann Künstliche Intelligenz?

 
 
«2025 stammen 90 Prozent aller Informationen für das breite Publikum von Robotern.» Das Zitat stammt von Kris Hammond, CTO des US-Technologieunternehmens Narrative Science. Schon heute sind Textroboter in der Lage, erstaunliche Texte zu verfassen, doch können sie auch «Storytelling»?

«Tobi» ist vermutlich einer der Lieblingsmitarbeitenden von Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident der TX Group. «Tobi» ist zuverlässig, nie krank, stellt keine unangenehmen Fragen und war noch nie in einer Sitzung der etwas aufmüpfigen Personalkommission eines der grössten Medienhäuser der Schweiz.

Kollege «Tobi» ist eine künstliche Intelligenz (KI), die von der TX Group erstmals am 25. November 2018 eingesetzt wurde. An jenem Abstimmungssonntag wandelte der Textroboter die Resultate der eidgenössischen Volksabstimmung in individuell auf die einzelnen Gemeinden abgestimmte Artikel um. Man sei mit dem Experiment sehr zufrieden, hiess es damals.

Mittlerweile ist «Tobi» regelmässig im Einsatz, seit einiger Zeit auch als Sportjournalist. Im Regionalsport baut er die Daten in den Sporttelegrammen in Texte um.

Sind künstliche Intelligenzen wie «Tobi» eine Bedrohung für den Berufsstand der Journalisten? Der «Guardian» sorgte im Herbst 2020 für Aufsehen, als er einen Essay publizierte, der nicht der (Edel-)Feder eines Menschen, sondern den Algorithmen eines Textroboters entstammte. Textgenerator GPT-3 (GPT steht für Generative Pre-trained Transformer) hatte die Aufgabe, einen Essay von rund 500 Wörtern Länge zu schreiben, der den Menschen die Furcht vor KI nehmen sollte. Das Resultat gibt es hier zu lesen.

Wer sich nun nicht die Zeit nahm, sich durch diesen Text zu kämpfen, dem sei gesagt: Er ist beeindruckend. Dennoch liess die Kritik nicht lange auf sich warten: So hatte GPT-3 nicht einen, sondern acht Texte geschrieben. Die Redakteure des «Guardian» wählten die besten Teile aus, strichen Zeilen und Absätze, änderten an einigen Stellen die Anordnung und setzten den Text neu zusammen. Zudem machte GPT-3 auch Fehler: So behauptete er, das Wort «Robot» stamme aus dem Griechischen, was nachweislich falsch ist: Der Ursprung des Wortes Roboter liegt im tschechischen Wort «robota». Robota kann mit «Frondienst» oder «Zwangsarbeit» übersetzt werden.

Die Kritik mutet angesichts der Qualität des Textes etwas kleinlich an: Auch Journalisten aus Fleisch und Blut machen Fehler. Und auch Texte aus Menschenhand müssen vor der Publikation redigiert werden. Ist das also das Ende des Journalismus?

Nicht, wenn man erfährt, wie GPT-3 arbeitet: Die KI sucht das Internet nach Millionen von Textbausteinen ab und sortiert nach Wahrscheinlichkeit neu. Sie funktioniert also ähnlich wie zahlreiche Newsportale, die ebenfalls im Internet nach Storys suchen, diese umschreiben und als Eigenleistung publizieren.
Was auch diese Art Journalismus GPT-3 aber voraushat: Ein Mensch kann einordnen, analysieren, er versteht die Aufgaben und Ziele eines Textes inhaltlich und konzeptionell. Das kann weder «Tobi», noch ein mächtiges Sprachprogramm wie GPT-3.

«Tobi» kann zwar erzählen, wer in Hinterpfupfigen die Wahl in den Gemeinderat geschafft hat und mit wie vielen Stimmen. Aber er kann nicht erklären, warum. Er kann auch sagen, wer beim Amateurspiel Eintracht Zwietracht – Hinter Mailand wann welches Tor geschossen hat. Aber den Riesenbock des Zwietracht-Goalies kann er aus dem Telegramm nicht herauslesen.

Auch auf unsere Arbeit im Content Marketing werden Textroboter noch eine ganze Weile keinen Einfluss haben: Reportagen aus Garagenbetrieben (für den Auto Gewerbe Verband Schweiz) oder aus dem öffentlichen Verkehr (für die Forchbahn), Interviews mit Wissenschaftlern (wie für CNG-Mobility) oder Analysen über den Occasionsmarkt (wie für auto-i-dat) übersteigen die Fähigkeiten von «Tobi» und von GPT-3 bei weitem.

Das Erzählen von Geschichten, das Vermitteln von Emotionen, von Witz und Originalität, das ist und bleibt (noch für eine ganze Weile) eine menschliche Qualität.

 

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